Von Open Science zu
Open Frontiers

Von links nach rechts: Gabriele Gendotti, Präsident des Stiftungsrats des SNF, Angelika Kalt, Direktorin der Geschäftsstelle des SNF (seit 1. April 2016), Martin Vetterli, Präsident des Nationalen Forschungsrats des SNF

Liebe Forschende und Freunde der Forschung


2015 war für den Schweizerischen Nationalfonds ein intensives Jahr. Einerseits konnten wir unsere Übergangsmassnahmen vervollständigen und beenden. Diese hatten wir nach dem sechsmonatigen Ausschluss der Schweiz von den hoch kompetitiven Förderungsinstrumenten des European Research Council (ERC) kurzfristig eingeführt. Andererseits haben wir eine Reihe von hiesigen Herausforderungen in Angriff genommen, um die Schweizer Forschung für die Zukunft noch effizienter zu gestalten.

So wurde zum Beispiel die Projektförderung überarbeitet, um durch die Einführung einer längeren maximalen Projektlaufzeit von vier Jahren das Hauptförderungsinstrument des SNF flexibler zu machen. Auch die noch bessere Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses stand wiederum im Fokus. Deshalb haben wir in der Planung für die nächsten Jahre rund einen Fünftel der Finanzmittel für Massnahmen zur Förderung von akademischen Karrieren reserviert. Damit wollen wir unsere Förderungsinstrumente künftig so gestalten, dass sie die frühe wissenschaftliche Unabhängigkeit fördern, und wir wollen Grants für TenureTrack-Positionen bereitstellen sowie ein Instrument einführen, das exzellenten Forscherinnen die nötige Unterstützung bietet. Das Gesamtziel dieser Innovationen ist es, den Forschenden eine vereinfachte Palette an Förderungsinstrumenten mit weniger administrativem Aufwand anzubieten und ihnen mehr Zeit für Forschung und Karriere zu ermöglichen. All die erwähnten Massnahmen und einige mehr werden in den nächsten Jahren eingeführt oder weiter verlängert. Genauere Informationen dazu finden Sie im Mehrjahresprogramm 2017–2020 auf der SNF-Website.

«Die Forschung der Zukunft muss transparenter und von Zusammenarbeit geprägt sein.»

2015 war aber auch das Jahr, in dem wir uns mit den Anforderungen an eine zeitgemässe Wissenschaft befasst haben: Die Forschung der Zukunft muss transparenter, kollaborativer und letztlich reproduzierbarer sein. Mit dem Ziel, den Weg dazu zu ebnen und die Wissenschaft offener zu gestalten, haben wir verschiedene Organisationen in der Forschungsförderung zu einem Workshop für den Ideenaustausch eingeladen, unter anderem die National Institutes of Health der USA, den norwegischen Forschungsrat und die Liga Europäischer Forschungsuniversitäten (LERU). Der Hauptartikel im «SNF Profil 2015/16» befasst sich ausführlich mit diesem Thema.

Bei so vielen Herausforderungen und Innovationen scheint es offensichtlich, dass für den SNF auch 2016 und die folgenden Jahre sehr intensiv sein werden. Denn mit schnellen Antworten und Lösungen ist in Anbetracht solch grundlegender Entwicklungen nicht zu rechnen. Und doch ist es für den SNF klar, dass wir die damit zusammenhängenden Fragen anpacken müssen. Wir sind zudem davon überzeugt, dass die Zugehörigkeit der Schweiz zum europäischen Forschungsraum ein Muss ist, um die führende Rolle in der Forschung und die hohe internationale Reputation unseres Landes nicht zu gefährden. Im Mai 2015 ersuchten wir deshalb den Bundesrat, die Bedürfnisse von Wissenschaft und Forschung bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative zu berücksichtigen.

In der Wissenschaftspolitik sehen wir uns in den nächsten Jahren mit grosse Herausforderungen konfrontiert. Ungeachtet dessen geht die Forschung in grossen Schritten vorwärts. Neue Gebiete scheinen bereits greifbar nah, wie zum Beispiel die präzise und wirksame Bearbeitung des menschlichen Genoms, persönliche Drohnen für den Alltagsgebrauch, das wachsende Internet der Dinge, 3-D-Drucker oder eine neue Art künstlicher Intelligenz. Um die gesellschaftliche Relevanz dieser Gebiete zu verstehen, werden die Erkenntnisse der Geistes und Sozialwissenschaften von grösster Bedeutung sein. Wir müssen uns mit diesen Entwicklungen an den Grenzen der Forschung auseinandersetzen, denn sie werden uns vor weitere Herausforderung stellen – als Förderungsorganisation und als Gesellschaft.

Gabriele Gendotti
Martin Vetterli