Vorwort

Transparenz, Qualität
und Sichtbarkeit

Von links nach rechts: Matthias Egger, SNF-Forschungsratspräsident (seit Januar 2017), Angelika Kalt, Direktorin der Geschäftsstelle des SNF (seit April 2016), Gabriele Gendotti, Präsident des Stiftungsrats des SNF

«I advise you to look for a chance to break away, to find a subject you can make your own. (…) Therein you have the best chance to become a leader and, as time passes, to gain growing freedom to set your own course.» Diesen Rat gibt der weltbekannte Biologe Edward O. Wilson in seinem kürzlich veröffentlichten Buch «Letters to a Young Scientist».

Exzellenz, Originalität und Unabhängigkeit: Sie sind für den Erfolg der Schweizer Forschung unentbehrlich. Nur so kann sie die Grenzen des Wissens erweitern, jungen Forschenden eine vielversprechende Karriere bieten und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten. In diesem Sinne hat der SNF eine Reform der Karriereförderung in Angriff genommen, die in den nächsten Jahren umgesetzt wird. Sie erlaubt es, erprobte Instrumente zu verbessern, nach Bedarf neue Angebote zu schaffen und andere Formen der Forschungsförderung auslaufen zu lassen.

«Mit der Unterstützung des Nachwuchses tragen wir dazu bei, dass der Forschungsplatz Schweiz auch in Zukunft zur internationalen Spitze gehört.»

Mit der Unterstützung des Nachwuchses tragen wir dazu bei, dass der Forschungsplatz Schweiz auch in Zukunft zur internationalen Spitze gehört. Gleichzeitig stimuliert die Nachwuchsförderung die Innovation und somit die Schweizer Wirtschaft.

Aber der SNF stellt auch klare Forderungen – nicht nur an den Nachwuchs, sondern auch an die etablierten Forschenden –, indem er sich entschlossen für mehr Transparenz, Qualität und Sichtbarkeit einsetzt.

Transparenz: Daten aus Forschungsprojekten, die der SNF unterstützt, werden öffentlich zugänglich. Das Prinzip Open Research Data ist eine kleine Revolution, da viele Forschende ihre Daten heute nicht veröffentlichen. Der SNF und mit ihm die Mehrheit der Forschungsförderungsinstitutionen sind jedoch überzeugt, dass der freie Zugang zu Daten zwingend erforderlich ist, um die Reproduzierbarkeit der Forschungsresultate zu verbessern und der Wissenschaft neue Wege zu eröffnen. Schliesslich gehören die Daten der Gesellschaft, die durch Steuergelder Forschungsprojekte ermöglicht. Ab Oktober 2017 müssen Forschende prinzipiell einen Data-Management-Plan mit ihrem Gesuch einreichen. Alle wichtigen Daten, die im Rahmen eines Projekts generiert werden, sollen der Forschungsgemeinschaft und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Dies gilt vor allem für Daten, die in Publikationen verwendet werden.

Qualität: Der Publikationswettlauf muss durch einen ergebnis- und qualitätsorientierten Ansatz ersetzt werden. Forschende und Gutachtende müssen diesen Wandel verwirklichen. Der SNF steht voll und ganz hinter den Prinzipien der San Francisco Declaration of Research Assessment (DORA). Diese verlangen insbesondere, dass Wert und Wirkung aller Forschungsresultate gebührend berücksichtigt werden. Wir bemühen uns intensiv um ein Umdenken in dieser Hinsicht.

Sichtbarkeit: Die Zeiten, in denen die Gesellschaft und die Politik blindes Vertrauen in die Wissenschaft und die Grundlagenforschung hatten, sind vorbei (wenn es sie denn wirklich gegeben hat). Was bringen bahnbrechende Erkenntnisse, wenn ihre Bedeutung nicht oder nur unzureichend erkannt wird? Mit dem neuen Bilderwettbewerb und dem Förderungsinstrument Agora ruft der SNF die Forschenden dazu auf, ihre Begeisterung zu kommunizieren und die Resultate ihrer Forschung sichtbar zu machen.

Transparenz, Qualität und Sichtbarkeit schützen die wissenschaftliche Forschung nicht vor Fehlern und Vorwürfen aller Art. Aber sie sind unabdingbar, damit Edward O. Wilsons junge Forschende ihre Nische finden, in der sie sich beweisen können und eines Tages mit einer wissenschaftlichen Entdeckung vielleicht ein Zeichen setzen.